NHW Kinder­wohn­gruppe – das heißt Aufwachsen in Familie statt in einem Kinder­heim.

Im tiefen Süden Berlins, im schönen Wohn­ge­biet Lich­ter­felde West, befindet sich die Erzie­hungs­wohn­gruppe, die vier vom Jugendamt dort unter­ge­brachten Kindern ein Zuhause gibt. Ein Stück­chen weiter in die Stadt hinein gibt es eine weitere solche Einrich­tung für zwei Kinder. Wenn absehbar ist, daß ein Kind auf Jahre hinaus nicht in der Herkunfts­fa­milie leben kann, dann braucht es einen sicheren Platz und gut und liebe­voll versor­gende Erwach­sene, die sich kümmern.

Familie Alsesser- Knobbe lebt mit den aufge­nom­menen Kindern und Emil dem Hund in einem Einfa­mi­li­en­haus mit Garten, unweit der evan­ge­li­schen Johannes- Gemeinde und der Athene Grund­schule.

Kinder­schutz­stellen – Aktu­elles / Freie Plätze:

Derzeit gibt es keine freien Plätze!

Stand: 29.10.2024

Rufen Sie uns gerne an: (030) 797 028 40

Allg. Hinweis: Auf Krisen­plätzen finden die Bele­gungs­wechsel oft sehr schnell statt.
Bitte unbe­dingt tele­fo­nisch abklären.

Wer kann bei uns wohnen ?

Wir nehmen Kinder ab Schul­alter auf. Recht­lich handelt es sich um eine Inten­siv­be­treuung, so können z.B. auch Kinder mit beson­derem z.B. heil­päd­ago­gi­schem Betreu­ungs- oder Förder­be­darf aufge­nommen werden und die Gruppe ist insge­samt kleiner als üblich. Gege­be­nen­falls nehmen wir auch Kinder von außer­halb Berlins auf.

Liebe, Zunei­gung, Schutz

Zum Tages­ab­lauf:

An normalen Tagen werden die Schüler*innen um 6.30 Uhr geweckt, es gibt ein gemein­sames Früh­stück, was sich oft lange hinzieht, da kaum je bei allen die Schule um 8 anfängt, immer mal jemand krank ist, irgendwo hinge­bracht werden muss usw.. Danach gibt es eine Zeit, in der Termine, Abspra­chen, Team­ge­spräch, Besor­gungen und der Haus­halt erle­digt werden können. Dafür stehen stun­den­weise Putz­frau und Köchin zur Verfü­gung.

Der Mittag ist eine turbu­lente Phase, das Mittag­essen, die Haus­auf­gaben. Am Nach­mittag sind oft Termine wie Nach­hil­fe­un­ter­richt, Thera­pien, Arzt­be­suche, Verab­re­dungen, Trai­ning, gemein­same Hobbies, Beklei­dungs­ein­käufe und natür­lich Spiele aller Art. Zum gemein­samen Abend­brot kommen alle wieder zusammen und wie bei jeder Mahl­zeit gibt es viel zu erzählen. Hier kommen auch die Kinder bei der Haus­ar­beit zum Einsatz. Ein “Dienst­plan” regelt, wer an welchem Tag zuständig ist fürs Decken und Abräumen des Tisches, fürs Ein- und Ausräumen der Spül­ma­schine und wer mit dem Hund geht.

Gegen 20 Uhr machen sich die Kinder so nach und nach zum Schla­fen­gehen bereit, Musik und Geschichten gehört, Bücher ausge­sucht und vorge­lesen, erzählt, geku­schelt, gute Nacht gesagt. Dem unter­schied­li­chen Alter wird dabei natür­lich Rech­nung getragen, aber da die Erwach­senen jetzt je nach Ausdauer noch 2–3 kinder­lose Stunden geniessen können, wird diese abend­liche Struktur relativ streng gehand­habt. Die Kinder profi­tieren davon, da sie dadurch oft nochmal eine Ruhe­phase für sich haben. Sie lernen, diese Zeit für sich zu nutzen und beschweren sich nur selten über diese Rege­lung.

In der Pubertät, mit zuneh­mender Selb­stän­dig­keit, wollen die Jugend­li­chen länger wegbleiben und ihren eigenen Erfah­rungs­raum nach und nach erwei­tern; dann werden natür­lich indi­vi­du­elle Verein­ba­rungen getroffen. Wenn möglich und gewünscht werden dann auch mehr und längere Aufent­halte bei der Herkunfts­fa­milie ermög­licht, weil es im Jugend­alter oft viel mitein­ander zu klären gibt. Dies begleiten wir (in enger Abstim­mung mit dem Jugendamt) gerne, weil es zum Selb­stän­dig­werden dazu gehört.

Frei­zeit, Wochen­enden, Urlaub

Zwischen allen Terminen und an den freien Wochen­enden fährt die Familie meis­tens auf ihren Bauernhof nörd­lich von Berlin. Durch die verein­zelte Lage dieses Hofes finden die Kinder ideale Voraus­set­zungen, ihrem Bewe­gungs­drang nach­zu­kommen, auf eigene Faust die Natur zu erkunden, im See zu baden und alle Arten von Aben­teuern zu erleben. Die Abende werden am Lager­feuer verbracht, es wird gegrillt und der ster­nen­klare Nacht­himmel beob­achtet, der in Berlin so selten zu sehen ist.

Einen Teil der Ferien verbringt die Groß­fa­milie gemeinsam (Zelten am Ijssel­meer, Reiter­fe­rien, Skireisen, …), aber die Kinder fahren zum Teil auch mit den Fami­lien ihrer Freunde mit, nehmen an Gruppen- und Vereins­reisen teil etc..

Jedes zweite Wochen­ende gehts zu den Eltern,

…, zu Eltern­teilen oder Groß­el­tern, manchmal von frei­tags bis Sonn­tags, mal auch nur für ein paar Stunden. Diese Besuche sind ebenso wie die beglei­tenden Eltern­ge­spräche, Fami­li­en­the­rapie o.ä. unge­mein wichtig. Die Kinder brau­chen sie, um nicht den Kontakt zu verlieren. Schließ­lich bleiben sie ihr ganzes Leben lang Mitglied in der eigenen Familie, beim NHW leben sie nur einige Zeit.
Nicht zuletzt bleibt dadurch mal mehr mal weniger die Hoff­nung bestehen, dass der Eine oder die Andere doch wieder nach Hause zur eigenen Familie ziehen kann.

Dauer des Aufent­haltes, Entlas­sungen

Die Betreu­ungs­zeit ist sehr unter­schied­lich und liegt zwischen 9 Monaten und acht Jahren. Drei­zehn von bisher 30 Kindern konnten nach guter und vertrau­ens­voller Zusam­men­ar­beit mit den leib­li­chen Eltern wieder in deren Haus­halt entlassen werden. Die meisten Jugend­li­chen zog es nach den Erfah­rungen im Kinder­wohnen in unter­schied­liche Wohn­ge­mein­schaften, um die nächsten Schritte in ihr eigenes, selb­stän­diges Leben zu gehen. Ein 18-jähriges Mädchen zog mit ihrem Freund zusammen und ist inzwi­schen glück­liche Mutter. Auch ein ehema­liger Jugend­li­cher ist bereits Vater, lebt aber schon nicht mehr mit Mutter und Kind zusammen.

Fun & spec­ta­cular summer camping adven­tures

Sind wir erfolg­reich?

Viel­leicht die span­nendste Frage: “Errei­chen wir, was wir uns vorge­nommen haben?”

Das ist schwerer zu beant­worten als wir gehofft hatten.

Der NHW ist vor allem mit dem Anspruch ange­treten, Kindern, die Jugend­hilfe benö­tigen, weil sie nicht in ihrer Ursprungs­fa­milie leben können, ein verläss­li­ches Zuhause zu bieten. Wir wollen ihnen weitere Bezie­hungs­ab­brüche ersparen und gleich­zeitig ein realis­ti­sches Bild vom Leben in einer Familie vermit­teln.
Diesem Anspruch sind wir durchaus gerecht geworden. Wir haben in mehr als zwanzig Jahren keines der Kinder gegen seinen Willen vorzeitig entlassen, ganz egal wie schwierig das Zusam­men­leben zwischen­zeit­lich war.

Wir haben inten­sive gemein­same Erfah­rungen gemacht. Dazu zählen Reisen, Feste und Feiern, die Schwan­ger­schaft, die Geburt und das Aufwachsen eigener Kinder und nicht zuletzt auch gemein­sames Trauern bei Beer­di­gungen naher Fami­li­en­an­ge­hö­riger. Alles Dinge, die ein Fami­li­en­leben ausma­chen und die ein Kind in einem klas­si­schen Heim nicht erlebt.
Auch die schon erwähnten Rück­füh­rungen in die Herkunfts­fa­mi­lien betrachten wir als Erfolg. Wenn auch das Loslassen nicht immer leicht fällt.

Natür­lich sind die Auszüge der Jugend­li­chen nie reibungslos von statten gegangen. Aber das soll es ja auch in anderen Fami­lien geben. Wenn man aller­dings zu hören bekommt, “Ihr habt mein Leben zerstört” oder “Ich hasse euch”, dann fällt es schwer sich zu sagen, dass schon alles seine Rich­tig­keit hatte. Bis heute haben aber alle Ehema­ligen nach relativ kurzer Zeit auch wieder den Kontakt zu uns gesucht und signa­li­sieren, dass sie gegen Ende der Unter­brin­gung wohl doch etwas über­zogen haben mit der Kritik.

Leider machen es die gesell­schaft­li­chen Umstände Allen sehr schwer, ein eigen­stän­diges Leben zu führen. Die Situa­tion auf dem Arbeits­markt und nicht so gute Schul­ab­schlüsse tragen dazu bei, dass sich einige schon in so jungen Jahren in Situa­tionen ohne Perspek­tiven befinden. Das ist drama­tisch gerade für die Jugend­li­chen, die es schon früh im Leben nicht einfach hatten und auch unsere “Erfolgs­bi­lanz” leidet darunter.

Dennoch tun wir was wir können und werden das auch weiterhin tun. Wahr­schein­lich wird ja auch erst sehr viel später im Leben “unserer Kinder” zu sehen sein, welchen Wert unsere Arbeit hat ….